Führung in Gastronomie und Hotellerie

Aktualisiert: 9. Dez 2020

Sieben Mythen auf einem Streich.

Führungskräfte werden in unserer Branche noch sehr häufig mit falschen Vorstellungen ausgesucht. Sie wollen Erwartungen erfüllen, die weder notwendig, noch förderlich sind.


Die wohl sieben größten Mythen der Führung haben wir mal kurz beleuchtet:


1. Sie müssen motivieren können


Über zwanzig Jahre wurde jeder erdenkliche Weg gesucht, damit Mitarbeiter motivierter werden. Nun ist aber jeder Mitarbeiter dafür anders empfänglich, was diese Aufgabe schon im Ansatz unmöglich macht. Zudem besitzt Motivation ein derart kleines Verfallsdatum, weshalb eine Dauerberieselung nötig wäre, um überhaupt eine Wirkung zu erzielen. Und diese inflationäre Berieselung würde jeden Mitarbeiter nach kurzer Zeit nur nerven.

Motivation, wofür auch immer, ist nicht antrainierbar. Jeder Mensch hat eine eigene, mehr oder weniger ausgeprägte intrinsische Motivation. Diese richtet sich nach seinem Charakter, der Lebensweise oder anderen Faktoren seiner Umwelt. Ein Management, was dieses mit extrinsischer Motivation verändern will, kann nur Kurzzeiteffekte als Erfolg verbuchen.


Sie müssen vielmehr ihre Mitarbeiter kennen, sich also auch mit deren Fähigkeiten beschäftigen. Im Idealfall erkennen sie genau die Potentiale in den Mitarbeitern, die darin noch schlummern, aber perfekt zu dem Typus passen. Kurz gesagt: der richtige Mitarbeiter am richtigen Platz. Und das ist schwerer, als viele ahnen.

Bewegt sich dann aber ein Mitarbeiter in einem gut ausgesuchtem Team, genießt Freiheiten in der Entscheidungsfindung, darf selbstverantwortlich agieren und sich, gestützt durch Vertrauen, auf Tätigkeiten oder Projekte konzentrieren, die seinen Neigungen entsprechen, so wird das gesamte Unternehmen davon profitieren. Denn er bringt dann gänzlich seine Eigenmotivation ein.


2. Kontrolle ist schädlich


Kaum etwas ist so negativ behaftet, wie der Begriff Kontrolle. Sie müssen nur mit dem Auto von der Polizei angehalten werden und sofort stellt sich ein schlechtes Gewissen ein. Sie haben nicht getrunken, alle Leuchten funktionieren, Verbandskasten gerade frisch gekauft. Und dennoch dieses unterschwellige Gefühl, wenn die Polizei will, findet sie was. Und auch im beruflichen Alltag finde ich immer etwas, wenn ich denn nur will. Leider wurde viele Jahre auch so verfahren, womit sich das Management noch brüstete, für alles ein Auge zu besitzen und dem Mitarbeiter signalisierte, dass er weit weg von Perfektion ist. Ambitionierte Mitarbeiter, die viele eher als Bedrohung für sich selbst, als ein Potential für das Unternehmen sehen, wurden so klein gehalten, ja sogar zerstört.


Kontrolle ist aber positiv. Haben sie es geschafft, dass der richtige Mitarbeiter am richtigen Platz sitzt und er kann dort frei agieren und selbstverantwortlich tätig sein, so ist es durchaus ihre Pflicht, seine Tätigkeiten auch einmal zu kontrollieren. Haben sie ein Projekt übertragen, so fummeln sie aber nicht jeden Tag dazwischen. Aber mal einen Zwischenstand einholen und am Ende das Ergebnis prüfen, ist jedoch wichtig. Erstens vergewissern sie sich, ob sie richtig lagen, als die Aufgabe überantwortet wurde. Zweitens haben sie jetzt die Chance auf ein Lob. Das steigert kurz die Motivation, was aber nicht wichtig ist. Es signalisiert dem Mitarbeiter jedoch, dass er vor Kontrolle nicht furchtsam sein muss und das stärkt ihn selbst.

Früher sagte ich immer, wenn ich neu in einem Unternehmen war: "...selbstverständlich kontrolliere ich, denn sonst kann ich sie nie bei etwas Gutem erwischen."


3. Führen können nur wenige


Irgendwie sind die Leute im Management wohl auserkoren. So etwas schafft nicht jeder. Natürlich ist das Unsinn, denn Führungstechniken sind von jedem Mitarbeiter erlernbar, der dazu befähigt ist. In unserer Branche gibt es leider immer noch zu viele, die, wenn sie denn selbst oben sind, tatsächlich glauben (wollen), sie wären besonders. Vor allem sind es jene im Management, die Angst vor denen haben, die da nachkommen könnten. Dann besitzen sie im Unternehmen schon zwei Probleme. Einen Hemmschuh und Mitarbeiter, die bald kündigen werden.


Führung ist zeitlich begrenzte Macht. Funktioniert es nicht, so ist der Job, der Firmenwagen und alle Privilegien weg. Diese nicht wieder hergeben zu wollen, sehen viele Führungskräfte als Hauptanliegen an. Und sind damit allesamt ungeeignet. Bei vielen Trainings, wo wir Mitarbeiter wieder auf den "richtigen Weg" führen sollten, wurde sehr schnell deutlich, dass Problem lag in der Führung. Nicht bei denen, die wir trainieren sollten.


Führen selbst ist nicht einfach. Man muss sich im Prozess nicht auf die Belohnung am Ende konzentrieren, sondern ganzheitlich auf sich selbst. Oft schmerzhaft, da jeder sich mit sich selbst, seinen Schwächen und Stärken auseinandersetzen muss. Selbstreflexion bei jeder künftigen Entscheidung, auch für eine gescheiterte Sache die Verantwortung zu übernehmen, Mitarbeiter fördern und entwickeln. Soziales Verhalten und wenn nötig, gerechte Strenge walten zu lassen. All das ist erlernbar, wenn jemand dazu bereit ist.


Ebenso wichtig: Jede Führungskraft hat immer einen, der noch höher sitzt. Bei Bewerbungen bieten sich viele aus dem Management als ideale Besetzung an. Die Frage, ob sie führen dürfen, spielt weniger eine Rolle. Es wäre aber der entscheidende Punkt. Wenn eine Führungskraft aber selbst keine Freiheiten genießt, wird nie ein Internal Branding entstehen, keine Entwicklung der Mitarbeiter passieren und nur der Status Quo erhalten versucht, die Macht absichert, die Hotelrate irgendwie hält und Kosteneinsparungen geschehen meist immer auf dem Rücken der Mitarbeiter. Diese Führungskräfte werden meist keine zwei Jahre irgendwo bleiben. Das Unvermögen fällt auf, die Tarnung zerbröselt, fähige Mitarbeiter haben längst gekündigt.

All diese Kandidaten, wovon sicher jeder Beispiele aus eigener Erfahrung kennt, sind leider überhaupt nicht geeignet.

4. Interner Streit ist Gift


Streit ist wunderbar, solange eine Versöhnung in Aussicht steht. In einer privaten Beziehung ist es der Moment, wo einer endlich loswerden will, was lange unterdrückt wurde. Die Frage bleibt, wie gelingt die Lösung.

Ein Streit wird in vielen Unternehmen oft unterdrückt. Wir haben uns alle gerne, der Chef ist immer verständnisvoll und macht einen auf besten Freund, wir unternehmen etwas. Das Team hängt im Kletterwald rum, geht mal auswärts essen, man singt gemeinsam Lieder, sammelt für Geburtstage, alles sieht so harmonisch aus.


Wenn aber nicht gestritten wird, sind die Folgen viel gravierender. In unseren Trainings sind zwei Faktoren immer besonders auffällig: es gibt gehässiges oder verständnisvolles Konfliktpotential. Dieses wird nicht beseitigt, weil diesen Konflikten aus dem Weg gegangen wird. Auch nicht mit einem schönen Essen oder einem Motivationstag. Motivation kann von außen nicht vorgegeben werden und zweitens ist es verlogen, wenn es dann heißt: lassen sie sich fallen, dass Team fängt sie auf. Auch ich hätte meinen Vorgesetzten früher nie aufs Parkett knallen lassen. Nicht mal dann, wenn ich es so gerne gewollt hätte.


Gehässiges Potenzial wird meist hervorgerufen durch Neid. Mitarbeiter neigen schnell dazu, wenn sie erkennen, dass andere mehr Potential besitzen, zu stänkern. Das kann beruflich sein, aber auch privates Glück oder eine höhere Zufriedenheit anderer Personen kann der Auslöser sein. Heute nennen wir es Mobbing. Gehässigkeit (altdeutsch) trifft es ebenso. Es reicht eine Made und alle Äpfel im Korb verderben. In unseren Trainings "stolpern" wir sehr schnell auf diese Mitarbeiter. Sie versuchen es zu verbergen, aber die Maske fällt schnell. Und wir konfrontieren sie entsprechend hart und direkt. Egal welche Fachkompetenz dieser Mitarbeiter besitzt, hört er nicht auf, gehen viele andere. Das Unternehmen verliert also viel Potential und behält den "Wurm".


Verständnisvolles Potenzial ist sehr weitgehend verbreitet. Viele Mitarbeiter verbringen auch Teile ihrer Freizeit miteinander. Wenn beruflich Fehler auftreten, schweigen die "Freunde", weil man nicht die Freundschaft gefährden will. Das wird sich solange anstauen, bis der Kessel dann platzt. Und das wird er irgendwann. Und dann laut und bedrohlich. Hier muss gelehrt werden, wie man kritisiert, ohne zu verletzen.


Streit ist also positiv zu sehen, wenn er sachlich, unter Führung und im Interesse einer Lösung geführt wird. Er ist notwendig, denn immer kann niemand harmonisieren. Es wäre auch gar nicht auszuhalten. Aus der Lösung ergeben sich zumeist viele Ansätze für Verbesserungen, die einem Unternehmen sehr helfen können. Es werden Verstopfungen in den Abläufen gelöst, das Vertrauen wächst, ein offener Umgang miteinander löst künftige Schwierigkeiten im Ansatz.


5. Hierarchie ist wichtig


Ich vertrete den einfachen Ansatz: wird einer aus dem Management heute vom Bus überfahren, fällt es in der Firma erst zwei Wochen später auf. Wenn diese Stufe erreicht ist, läuft alles perfekt. Hierarchie ist out. Anerkennung durch einen Titel gibt es nicht mehr. Sie können etwas oder sind überflüssig. Das Management muss führen können und wissen, wo das Unternehmen in einigen Jahren stehen wird. Das ist allein deren Aufgabe. Um eine gute Führung zu erreichen, verstecken sie sich nicht im Büro. Sie sind auf Augenhöhe mit den Fachkräften und treffen diese an deren Arbeitsplatz. Ihre Vorstellungen zur zukünftigen Entwicklung diskutieren sie offen und übertragen die Projekte, welche dazu nötig sind, an die Mitarbeiter, die wiederum die Freiheit un das Vertrauen besitzen, es umzusetzen. Schon vor zwanzig Jahren habe ich eine Rezeption sich selbst organisieren lassen, statt meinen Senf dazuzugeben, was ich mir so vorstelle. Eine Abteilung, die offen, fair und vertrauensvoll untereinander agiert, schafft es eh besser.

Das Management hingegen muss heute wissen, dass es eine Rezeption bald gar nicht mehr gibt. Und wo dann die Mitarbeiter bestmöglich neu eingesetzt werden. Management erkennt die Zukunft oder alle leiden später unter den falsch gegangenen Wegen.

Digitalisierung macht's möglich. Besser noch, sie wird es möglich machen. Da fragt sie gar nicht nach. Leider sind Gäste da meist weiter, als die Branche selbst. Es gilt endlich aufzuwachen.


Zeitungen sind tot. Media Markt und Saturn ist tot. Eigentlich weiß jeder im Management um die Zukunft, aber es wird festgehalten. Niemand hat mehr Lust Nachrichten von gestern zu lesen. Zudem haben sich die Medien parallel auch einen Vertrauensverlust selbst angeeignet, der alles noch eher beschleunigt. Und für eine Waschmaschine oder einen Fernseher wird niemand mehr ins Auto steigen, wo ich aus wenigen Geräten ich mir eines aussuche. Beratung gibt es dort seit langem nicht mehr. Am Personal wurde längst gespart. So sehr, dass dort kaum jemand zu finden ist. Reichlich an der Zahl sind nur die Vertreter der Telefonnetzanbieter. Und auch deren drängelnde Verkaufsmasche erspare ich mir im Internet mit vier Klicks. Im Internet ist die Auswahl größer, die Beratung (noch) nicht unbedingt besser, aber ich habe Bewertungen und kann mit wenigen Klicks sogar den angebotenen Preis vergleichen.