Insolvenzen werden meldepflichtig


Ab dem 01. Oktober werden wir wohl ansatzweise feststellen, was uns Corona wirtschaftlich gekostet hat. Denn ab diesem Tag müssen kleine und mittelständische Unternehmen wieder Insolvenzanträge stellen. Große, selbst völlig hoch verschuldete Firmen, sind davon aber noch ausgeschlossen.


Dennoch wird die große Pleitewelle ausbleiben, da der Staat einspringen will und die Kosten für diese Firmen zu mindestens bis Dezember 2020 übernehmen will, damit nicht umgehend große Teile der Wirtschaft zusammenbrechen. Allerdings ist es so nur eine weitere Verschiebung des Unvermeidlichen.


Was für die eine oder andere Firma eine Gnadenfrist bedeutet, zieht andere gesunde Firmen mit in den Abgrund. Denn mit jedem Tag, wo insolvente Firmen am Markt bleiben, ordern sie Waren, beanspruchen Dienstleistungen und schädigen so die stabilen Firmen, die ihr Geld dafür nämlich nie sehen werden. Es ist also auch ein makaberes Spiel der Politik, die negative Schlagzeilen, welche aus ihrer Corona-Politik resultieren, vermeiden will. 2021 ist großes Wahljahr und jede Pleite mag die Wähler verstimmen. Zwischen 400.000-600.000 Firmen, so wird von einigen renommierten Wirtschaftsinstituten geschätzt, sind derzeit so am Markt, wo sie nicht mehr sein dürften. Grund dafür ist einzig die Aussetzung der Antragspflicht von Insolvenzen, welche eine Überbrückung in der Corona-Zeit garantieren soll, aber gleichzeitig den Markt auch nachhaltig immens schadet. Übersetzt bedeutet es aber nur, dass es die größte Insolvenzverschleppung aller Zeiten ist.


Ab dem 01. Oktober 2020 müssen also die Firmen die Anträge stellen. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die Politik aufschrecken wird, weil sie sich wohl nicht vorstellen kann, wie viele Unternehmen eine Insolvenz vermelden müssen. Und es wird nur die erste Welle an Firmen sein. Unternehmen, die, um es salopp zu schreiben, schon jetzt sehr knapp bei Kasse sind, müssen bis Ende des Jahres ihre gesicherten Finanzpläne erstellen und, da sich die Politik nicht dazu hinreißen lässt, ihre Corona-Politik zu ändern, werden wir dann wohl eine zweite Welle der Insolvenzen erleben.

Ob der Staat das vor der Wahl zulassen will oder kann, ist dabei der entscheidende Faktor. Denn schon jetzt wird es deutlich, wie sehr die Wirtschaft leidet. Tausende Stellen fallen täglich weg. Eine tägliche neue Belastung der Sozialsysteme. Gegensteuern, bis zur Wahl, würde eine noch viel gravierendere Staatsverschuldung bedeuten. Denn die Staatskassen sind leer, die bisher schon jetzt aufgenommene Verschuldung unerreicht.


Für den, der sich einmal vor Augen führen möchte, wo der Mittelstand steht, kann sich deren Eigenkapitalquote anschauen. Im Schnitt liegt diese bei gerade 39%. Dabei sind Unternehmen, die stark im Exportgeschäft zu Hause sind. Maschinenbau und andere begehrte Bereiche weisen immerhin um die 80% Eigenkapital auf. Hotellerie und Gastronomie, dass wissen wir seit Beginn der Coronakrise, leben oft von der Hand in den Mund. Da ist keinerlei Puffer.

Das gilt ebenso für die Reisebüros oder die Eventbranche, welche bis zu 80% (!!!) Umsatzausfall verzeichnen. Laut Hochrechnungen sind bis zu 42% des gesamten Mittelstandes bedroht. Selbst in der Finanzkrise, welche 2008 die Zahl der Insolvenzen um 10% erhöhte, ist dagegen dagegen nur ein Lüftchen gewesen, wenn dieser Sturm so losbrechen sollte.


Die Sonne scheint, die Supermärkte sind voll und haben sogar ausreichend Toilettenpapier, was vielen Bürgern nicht im Ansatz veranschaulicht, auf welchem Vulkan alle sitzen. Bricht er aber aus, erleben wir die größte Wirtschaftskrise seit der Staatsgründung. Seit April schreibe ich nun darüber und alle Hilfsgelder, Aussetzungen der Insolvenzpflicht und andere Maßnahmen, haben das bisher verschoben. Auflösen wird sich das Problem aber nicht.


Schauen wir also ab dem 01. Oktober genau hin, wer die Anträge einreichen muss. Schon bis heute haben viele aufgegeben. Mit der Antragspflicht wird es sich steigern. Und was wir ab dem 01. Januar 2021 erleben werden, steht noch in den Sternen.


Die Politik wird sich entscheiden müssen. Derzeit sieht alles nach weiteren Verschärfungen aus, da uns täglich neue Infektionszahlen um die Ohren gehauen werden. Hotellerie und Gastronomie werden also weiter oder gar schlimmer leiden. Dieser Weg führt zu immer weiteren, schnelleren Insolvenzen. Oder es müsste in einer Masse Geld für Hilfsfonds gedruckt werden, dass wir eine erhebliche Inflation erleben werden.

Das die Unternehmen wieder frei arbeiten dürfen und selbst Umsatz erwirtschaften können, ist derzeit politisch nicht auf der Tagesordnung.


Supermärkte bleiben dennoch voll, die Sonne wird auch im Herbst ab und an scheinen. Aber die Zahl der Arbeitslosen und Insolvenzen wird steigen und täglich uns so ein kleines Stück unseres Wohlstandskuchen auffressen. Sozialkassen werden leergefegt sein, Belastungen für die Bürger steigen und irgendwann werden unvermeidliche, harte Einschnitte kommen.







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