Was sind wir dem Staat noch wert?

Aktualisiert: Apr 17



Die Antwort auf diese Frage beschäftigt uns seit Beginn der Krise. Und rückblickend, nach all den vielen Phrasen der Politik, bleibt die ernüchternde Feststellung: wir sind wohl überflüssig.


93 Milliarden Umsatz, geschaffen von knapp 2,4 Millionen Beschäftigten, sind also nicht relevant.

Leider bestätigt es meine vorausschauend schon geschriebenen Wortbeiträge, die beginnend, von der Gefahr des Virus, über die wirtschaftliche Krisengefahr, der mangelnden Unterstützung seitens der Banken bis zur Nichtbeachtung der Politik reichen.


Über das Virus: wir haben berichtet, dass 95% der Bevölkerung nicht gefährdet sind und sahen aus diesen Gründen das Herunterfahren der Wirtschaft schon als problematisch an. Taiwan und andere Länder gingen einen anderen, für uns sinnvolleren Weg. Aber es herrschte Panik und aus der Politik wollte wohl, nachdem viele Wochen alle Vorbereitung verschlafen wurden, am Ende niemand die Schuld tragen, wenn es denn schief geht. Wir berichteten auch über das mangelnde Hilfspaket, was sich dann wirklich als unnütz erwies, weil die Banken das Risiko nicht eingingen und Kredite verweigerten. Das wurde dann zwei Wochen später nachkorrigiert. Wir kritisierten die Verschuldung, die Unternehmen unserer Branche über neue Kredite eingehen sollten, aber kein Zeitplan bekamen, wann dann eine Geschäftsaufnahme wieder möglich ist. Und wir fragten uns, warum kein Verband eine Klage einreichte, da die stückchenweisen Veränderungen eher nach Willkür, als nach Logik aussahen. Das fragen wir uns übrigens immer noch...


Und nun ist seit gestern eine neue Richtlinie festgelegt worden, die nur Unverständnis auslösen kann, denn wirrer und unlogischer kann niemand etwas festsetzen. Waren bisher die Baumärkte in Berlin geöffnet, aber das Sitzen auf der Parkbank verboten, so eskaliert nun die nächste Stufe des Irrsinns. Geschäfte bis 800 qm dürfen öffnen, aber ab 801 qm steigt wohl die Gefahr einer Ansteckung dann rapide an. Allein das ist derart unsinnig, da größere Geschäfte es doch besser verhindern könnten, dass die Menschen sich zu nahe kommen. Ich kann Zigaretten kaufen und Lotto im Laden um die Ecke spielen, aber der Media Markt bleibt zu? Schon bei drei Kunden wäre mein Späti (Kiosk, der rund um die Uhr geöffnet hat) überfüllt und alle würden sich dort drängen. Soll er eine Security anstellen, die das regelt? Und Hotels, die einen Abstand von zwei Metern an der Rezeption umgehend umsetzen könnten, wird nichts zugestanden. Restaurants, die einfach ihre Tische weiter auseinander ziehen könnten, bleiben ebenfalls zu.


Parallel wachsen die Erkenntnisse um das Virus, auch wenn sich Virologen ab und an uneins sind. Die Politik hat das RKI als Sprachrohr erkoren, was alleinig zuständig ist. Ein Netzwerk zu schaffen, wo alle sich austauschen können, gibt es leider nicht. Es werden ja sogar Studien von Medien und Politikern angefeindet, die andere Ergebnisse präsentieren. Dabei handelt es sich nicht um Verschwörungen, sondern um Fachinstitute mit namhaften Fachkräften. Welch Irrsinn! Denn in der Forschung gibt es aber keine absolute Wahrheit, sondern immer nur ein vorläufiges Wissen, was sich bei neuen Erkenntnissen stets verändert. Forschung ist eben nicht Stillstand auf einem Status Quo. Auch hier wird viel zu viel ignoriert. Aus den eigenen Erhebungen oder den Erfahrungen aus den anderen Ländern.


Mehr und mehr verfestigt sich der Eindruck, dass die absurden Regelungen faule Kompromisse sind. Wer setzt sich mehr durch? Der harte Söder oder der laschere Laschet? Beide möchten ja wohl mal die Kanzlerkandidatur anstreben. Welche Gründe es auch geben mag, die Hotellerie und Gastronomie hat dabei keinerlei Lobby. Was auch immer die Politiker beschließen, an uns denkt niemand. Dehoga und andere Verbände fordern nun weitere Hilfspakete. Aber die dürften, selbst wenn demnächst irgendwann bewilligt, für sehr viele Unternehmen zu spät kommen. Und ich glaube nicht einmal, dass sie kommen, denn die Staatsverschuldung explodiert schon jetzt.


Bei über 700.000 Unternehmen, die schon Kurzarbeit angemeldet haben, dürfte jeder Haushalt der Regierung längst überzogen und nur noch, durch immer weitere neue Kreditaufnahmen zu bedienen sein. Das hält der Staat nicht durch. Also werden wir demnächst weitere Lockerungen erleben. Zwangsläufig. Nur eben für viele Unternehmen unserer Branche dann zu spät.


Solange kein Impfstoff vorhanden ist, müssen gefährdete Gruppen sich - schon aus eigenem Interesse- selbst schützen. Daran führt kein Weg vorbei und da die Entwicklung noch länger dauert, als der Staat einen Shutdown bezahlen kann, muss das reguläre Leben wieder beginnen.

Viele denken ja, die Wirtschaft schläft einfach und startet bei Freigabe wieder durch. Doch das ist völliger Unfug, da täglich längst Firmen sterben. Selbst wenn eine Firma wieder produzieren will, werden dann viele Zulieferer und Dienstleister längst fehlen.

Für unsere Branche kommen viele magere Jahre auf uns zu, denn wir stecken längst in einer handfesten Wirtschaftskrise. Bis zu 3% wird, laut aktuellen Prognosen, das globale Wachstum einbrechen. Es kann gar schlimmer werden. Bei der bisher grössten Krise aus dem Jahr 1929, waren es über die Jahre danach, im Schnitt 10%, was weltweit zu nie gekannter Arbeitslosigkeit, Hungersnot, Suiziden und bitterer Armut führte.

Woran die Menschen in Krisenzeiten zuerst sparen, kann jeder hier gerne nachschauen.


Restaurants und Hotels werden in den kommenden Jahren von sehr mageren Pfründen leben müssen. Daher ist auch eine völlige Umkrempelung unserer Branche unvermeidlich. Wer von seinem Unternehmen leben will, muss es reorganisieren. Komplett und schonungslos. Billige Preise müssen für Gerichte und Zimmer endlich ein Ende haben. Kalkulationen müssen endlich nach Deckungsbeiträgen erstellt und Zimmer nach dem wahren Wert verkauft werden.


Viele Betriebe aus der Gastronomie werden das, auch wenn noch länger und härter arbeiten, nicht überleben. Meist fehlt es an betriebswirtschaftlichen Kenntnissen, die aber nicht durch Willen, Schweiß und Engagement aufgewogen werden können. Zu sehr haftet auch das Manko an, dass ein geholter Berater immer noch so schlimm wie ein Kammerjäger ist. Eingestehen, dass man ein Problem nicht selbst lösen kann, erscheint vielen als Gesichtsverlust. Und in der Hotellerie sieht es leider nicht viel besser aus. Wir werden aber ganze Ketten sterben sehen. Die Banken sehen Hotelimmobilien jetzt schon als Ramschware an. Sie werden es abstoßen, sobald auch nur ein Hüsteln in der Bilanz auftaucht und ein potentieller Käufer auftaucht.


Wer sich mal anschauen will, wie sehr im Moment die Werte ganzer Fluglinien zerbröseln, kann sich auch vorstellen, was uns erwartet. So ist Marriott der mal gerade noch die Hälfte auf dem Aktienmarkt wert. Es werden eben nur die überleben, die eine Strategie, saubere Kalkulationen, überschaubare Kosten, feste Zielgruppen und eine Marke repräsentieren. Und ich meine nicht ein Punkt aus der Aufzählung, sondern das Gesamtpaket. Mit jeder geschlossenen Immobilie, die dann eine Bank im Portfolio hat und dafür keinen Käufer findet, wird auch deren Druck größer und es könnte zum Platzen der nächsten Finanzblase führen. Schöne Zeiten sehen anders aus.


Wie immer darf alles kommentiert werden. Wir freuen uns wieder auf spannende Diskussionen in den Netzwerken.

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