Schlimmer als die Finanzkrise


Corona macht's möglich. Die derzeitigen Erkenntnisse stufen das Virus nicht erheblich höher ein, als würde eine normale Grippe grassieren. Im Jahr 2012/13 starben um die 20.000 Menschen allein in diesem Land. Gab es deshalb irgendwelche Vorkehrungen oder Absagen? Nein.

In allen anderen Jahren sind es durchschnittlich 6000-8000 Todesopfer. Dennoch wird, gerade zu Krisenzeiten immer gerne etwas erfunden. Der NDR behauptete 2014, es würden immer um die 20.000 Menschen jährlich sterben. Das war völlig übertrieben, verfälscht und wahrscheinlich sollten nur die Klick- und Einschaltquoten bedient werden. Leider wird mittlerweile, selbst mit falschen Informationen, immer wieder eine künstliche Aufmerksamkeit erzeugt.

Und dennoch ist es kein Vergleich zu der Situation, die heute medial unser Handeln beeinflusst. Längst ist das Land gespalten zwischen der Gruppe, die alle Panik in sich vollends vereint und durchdreht, und der Gelassenen, die vorsichtig und dennoch nicht hysterisch reagieren.


Zu dem letzten Blog gab es reichlich Meinungen von beiden Seiten. Auch emotional in Höchstform. "Schutz ist richtig, denn ich liebe meine Großeltern, auch wenn ihnen das alles egal ist...". Nun, mein Vater ist gesegnete 93 Jahre und natürlich ist es mir nicht gleichgültig. Nur ist er derzeit dem gleichen Risiko wie jedes Jahr ausgesetzt. Das kann ich gar nicht beeinflussen. Ich kann aber die Gefahr sachlich einschätzen. Und das ist vielen völlig abhanden gekommen.


Bei der Finanzkrise mussten vor allem Banken gerettet werden. Geldknappheit war eines der grössten Risiken. Und heute? Nicht nur der Versorgungsbereich der Geldmittel könnte stillstehen, sondern es droht ein Ausfall gesamter Produktions- und Dienstleistungsbereiche. Es drohen gravierende Einnahmeverluste über den Zeitraum der nächsten zwei bis drei Monate. Kitas und Schulen zu schließen, bedeutet auch, dass nun die Betreuung woanders umgelagert werden muss. Veranstaltungen absagen bedeutet, dass vom Veranstalter bis Parkplatzwächter niemand mehr Umsätze vorweisen kann. Angestachelt von der Panik, wird, so würde ich es jetzt hochrechnen, ein Umsatzverlust von 50% allein in der Gastronomie eintreten.


50% über zwei Monate. Übersetzt ist es der Todesstoß für viele kleinere und mittlere Betriebe. Um das zu vermeiden, muss niemand mehr diskutieren, ob Corona gefährlich ist. Finanziell ist es längst gefährlich. Nein, es ist katastrophal. Und daher muss gar nicht erwogen werden, welche Seite am Ende richtig lag. Es muss gehandelt werden. Radikal und ohne Rücksicht. Überleben ist das Ziel. Sonst nichts mehr.


Aber was kann getan werden? Das fängt bei den kleinen Maßnahmen an. Karte verkleinern, Lager prüfen und vom Bestand leben. Resteverkauf statt Neukauf. Lokal verkleinern. Energie sparen. Drastisch. Schliessungstage erweitern. Überstunden abbauen. Urlaub ansetzen. Notfalls Kündigungen aussprechen. Nicht ganz fair dem Sozialstaat gegenüber, aber mit Mitarbeitern reden und vorübergehend im Jobcenter zur "Betreuung" abgeben, erscheint legitim.

Hunderte kleine Aufgaben im Betrieb müssen umgehend eingeleitet werden. Parallel die Gespräche suchen. Mit der Bank, dem Verpächter, Investoren, Lieferanten und allen anderen Beteiligten. Und knallhart ausloten, ob irgendwo Unterstützung zu bekommen ist.

Vorher muss aber errechnet werden, wo der Betrieb in zwei, drei Monaten steht. Und gehen Sie dabei vom Worst Case aus. Trifft es weniger hart zu, haben Sie Glück. Dann aber befinden Sie sich in einer Situation, die positivere Seiten vorweist, als würden Sie zu halbherzig rechnen.


Wir stehen unseren Freunden und Klienten natürlich stets hilfreich zur Seite. Und wir wissen auch, dass derzeit Geldmittel knapp sind. Alle müssen nun zusammenrücken und Lösungen suchen. Gerne unterstützen wir Sie bei Gesprächen mit Banken und Verpächtern oder den radikalen Umsetzungen in Ihrem Betrieb. Wir rechnen alles für Sie durch und erstellen Strategien. Fair und angemessen. Wir haben ein großes Interesse an Ihrem Überleben, denn wir verlieren sonst auch unsere Partner. Es geht zunächst um die nächsten Monate, aber auch um eine lange Durststrecke danach.

Abzusehen ist, dass allein in Deutschland ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zu erwarten ist, da von Konzernen bis Kleinstbetrieben massive Produktionsausfälle zu erwarten sind. Viele Milliarden werden nicht erwirtschaftet, anderswo wird der Staat diese investieren, um geeignete Hilfen zu finanzieren. Das alles muss nach Corona wieder ausgeglichen werden.


Europa steht einer Belastungsprobe gegenüber. Italien, derzeit besonders betroffen und zudem vor einer Rezession stehend, wird ganz sicher nun in eine finanzielle Notlage reinrutschen. Mit ungeahnten Folgen, die auch uns betreffen und die europäische Geldpolitik an den Rand der Verzweiflung treiben wird.

Was noch alles passieren wird, sollte nicht die Vernunft, sondern die Panik weiter das mediale Geschehen beherrschen, ist gar nicht absehbar. Völlig klar ist aber, dass der jetzige Zeitpunkt umgehend und radikal genutzt werden muss, soll Ihr Betrieb morgen noch auf dem Markt vertreten sein. Bei Essen, Kino, Konzert oder einer Reise sparen die Leute in Notzeiten immer zuerst. Und sie werden sparen. Nicht nur ein, zwei Monate. Diesmal wird es länger dauern. Über die Krise selbst und dann danach, wenn ringsherum alles wieder auf Normalbetrieb umgestellt wird. Das wird länger dauern. Ganz sicher.


Meinungen und Kommentare gerne wieder über alle Kanäle. Auch emotional, wenn es sich nicht vermeiden lässt...



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