Aufbruch jetzt beginnen!



In den sozialen Netzwerken herrscht rege Diskussion um Hilfsfonds, Fördergelder und es laufen zahlreiche Petitionen, um vom Staat irgendwie Geld zu bekommen. Zu diesem Thema haben wir schon heute geschrieben, was Sie hier nachlesen können.


Da wir dort nur die Realität beschreiben und Hoteliers und Gastronomen nur wenig Hoffnung vermitteln konnten, wollen wir natürlich auch Ansätze geben, die nun, insofern diese Krise überwunden ist, nützlich sind. Berater können ja den ganzen Tag ihren Senf dazugeben und leider machen einige auch wirklich nichts anderes... ;)


Also habe ich mich entschlossen und möchte Sie zum Handeln auffordern. Die Gastronomie und Hotellerie hat ja derzeit leider viel Zeit. Nutzen Sie diese zur Vorbereitung!


Wer von Ihnen hat denn schon einen Liquiditätsplan aufgestellt? Basierend auf einem Forecast für die nächsten drei, sechs und neun Monate. Einnahmen fallen leider weitgehend aus, aber die Kosten kennt jeder. Wie lange können Sie durchhalten? Das ist hier die entscheidende Frage. Und was würden Sie wirklich benötigen, um die Ausgaben zu decken? Sollten Sie Kapital von der Bank benötigen, werden sie diesen Plan vorlegen müssen. Es handelt sich also nicht um eine Spielerei, um die Zeit zu überbrücken.


Gehen Sie vor allem behutsam ran, denn jetzt ist die Chance alles zu überdenken. Und bitte realistisch. Manch einer mag nun nämlich merken, dass er sich keinesfalls mit neuen Krediten verschulden sollte, weil er es nie bedienen kann.


Aber es ist auch die Chance endlich alles zu hinterfragen, was sonst im stressigen Alltag oft nicht gelingt. Gastronomen könnten mal die Renner & Penner einer Karte ermitteln. Einige mögen lachen, aber über 40% übersehen diesen wichtigen Aspekt.

Dann könnten Sie alle Gerichte endlich einmal solide mit einer Deckungsbeitragskalkulation durchrechnen (machen 60% noch nicht). Sie werden sich wundern...

Selbst in mittleren Gasthäusern kommen Sie schnell auf eine fünfstellige Verbesserung im Umsatz, wobei die Warenkosten sinken.

Sie könnten Ihre Öffnungszeiten prüfen und genau ermitteln, wann Sie den höchsten Umsatz eingefahren haben. Vielleicht merkt manch einer ganz erstaunliche Dinge. Ahnen Sie, was eine Stunde weniger geöffnet an Personal spart? Oder das anderswo Geschäft verloren geht, weil die Mitbewerber es mitnehmen, aber Sie seit zehn Jahren an alten Dienstzeiten festhängen?

Überhaupt können Sie mal die Mitbewerber analysieren. Auch hier wissen über 40% nicht im Ansatz, was drei Ecken weiter verkauft wird.

Ihre Speisekarte kann auch mal unter die Lupe genommen werden. Länge und Angebot noch zeitgemäß? Oder merken Sie dann, dass Mitbewerber vielleicht alles kopiert haben? Dann würden Sie ja innovativ sein und jetzt alles ändern, um morgen wieder genügend Vorsprung zu besitzen.

Und wie steht es mit dem toten Kapital in den Lagern? Wareneinsätze sind durchaus relevant. Mit neuer Kalkulation und/oder Speisekarte, kann es verringert werden. Ebenso das Lager mit den Getränken. Sie glauben gar nicht, was viele dort finden werden...

Und da Energiekosten immer weiter steigen, sollte auch das berücksichtigt werden. Lange Öffnungszeiten und stundenlang geschmorte Speisen fressen Strom.

Und am Ende berechnen Sie dann den Personalaufwand, wenn das neue Konzept steht. Nur eine Position verändert, kann viel ausmachen.

Allein aus diesen wenigen Punkten kann schnell eine sechsstellige Verbesserung im Umsatz im Jahr entstehen. Oder eine erhebliche Kostenreduzierung. Wenn Sie es nicht machen, brauchen Sie auch keinen Kredit. Dann ist ja alles in Ordnung. Und falls Sie es nicht können, fragen Sie nur keinen Berater. Dann bleiben Sie am besten vor dem PC und meckern in den Netzwerken weiter über den Staat und die Banken.


Was machen die Hoteliers? Erst ist die Messe ausgefallen und Budget völlig zerschossen? Und nun auch noch ganz geschlossen. Wer hat denn schon ausgerechnet, wie es bei ihm aussieht, wenn das drei Monate so bleibt? Ich gehe davon aus, die Komplettschließung wird früher wieder aufgehoben, aber das Geschäft fährt ja nicht sofort wieder hoch.

Und wie wird dann die Preispolitik sein? Bei einem Hotel mit 110 Zimmern und 70% Auslastung könnte der Messeverlust aufgefangen werden, wenn künftig einfach 5 Euro pro Übernachtung mehr genommen würde. Trauen Sie sich das? Die Preise müssen nach der Krise nach oben. Es muss endlich damit aufgehört werden, dass seinem Mitbewerber ein Gast streitig gemacht wird, weil er Raten unterbietet und selbst nichts daran verdient. Dann liegt es an Ihnen selbst, wenn der Gast, bei sonst gleicher Rate, lieber anderswo buchen würde. Also ändern sie etwas.

Natürlich hilft das alles nicht, wenn das Haus durch einen Investitionsstau keineswegs mithalten kann. Aber manchmal sind es die kleinen Dinge. Die persönlichen Gesten.


Ein kleines Hotel und früherer Mandant beherbergte sehr viele Geschäftsreisende. Obwohl die meisten Reisestellen der Firmen immer mit Hotelketten die Verträge abschlossen, waren diese Hotels sehr begehrt. Natürlich lag es an der Herzlichkeit der Mitarbeiter. An der gesonderten Kategorie der Zimmer, die damals schon mit einer Nespresso ausgestattet waren. Und es gab die Ruhrpottstulle. Die meisten Geschäftsreisenden hatten kein Frühstück genommen, sondern sind früh abgereist. Also gab es eine kleine Papiertüte. Darin eine deftige, aber leckere Stulle, einen Apfel und ein kleines Wasser. Wer oft mit dem Auto unterwegs ist und die überteuerte warme Matsche oder die abgestandenen Brötchen der Raststätten kennt, freute sich, dass er seine kleine Tüte hatte und nebenbei noch Geld sparte. Das die Übernachtung mehr als in mancher Kette kostete, störte den Geschäftsreisenden nicht. Das zahlte ja die Firma.

Anderswo wollte ein Hotel mal das Abendgeschäft im Restaurant befeuern. Wahrlich in einem

Gewerbegebiet. Der Mittagstisch lief gut, da zahlreiche Firmen drum herum waren. Abends die bekannte tote Hose. Wir nahmen Kontakt mit den Firmen auf und stellten auf Facebook um. Speisekarte gab es nur dort, weshalb sich alle einklinkten. Wir forderten dann zu Bewertungen des Mittagstisches auf. Antworteten auf Kritik, fragten alle auch, ob es mal etwas nach deren Wünschen geben soll. Die Kommunikation wuchs rasant. Wir forderten Rezepte an, luden dann alle zu einem Küchenkochen ein, wo mit viel Wein und Prosecco allerlei Rezepte nachgekocht wurden. Viele lernten sich erst dort, obwohl die Firmen dicht beieinander waren, richtig kennen. Es wurde viel gelacht, Foto-Stories davon erstellt und versandt, usw..

Nach drei Monaten merkte der Hotelier an, dass im Abendgeschäft im Restaurant nichts passiert ist. Ich entgegnete, dass es vergebens ist, denn niemand wird zu einem Candle-Light-Dinner ins Gewerbegebiet kommen. Aber er solle jetzt die Zimmerpreise für all die Vertragsfirmen um fünf Euro anheben. Denn die umliegenden Firmen frequentierten das Haus natürlich regelmäßig.

Er war anfangs sauer, da es einen Mitbewerber gab, der gerne unterbot. Aber wir setzten uns durch. Alle haben unterschrieben. Denn die Sekretärinnen, welche in den vielen, wenn auch meist kleineren Firmen buchten, hätten bei dem Wegfall die Küchenparties und all die anderen Nettigkeiten verloren. Das die Firmen dort etwas mehr zahlten als beim Mitbewerber, war allen egal. Das war Geld von der Firma, aber der persönliche Vorteil war aber nur in einem Hotel verfügbar. Abgesehen davon hatte die Firma eigentlich keinen Schaden, sondern fröhliche und entspannte Mitarbeiter.

Bekanntlich kommt das Geld morgens die Treppe herunter. Logis bringt mehr als Gastronomie. Das Restaurant schloss abends, dass Haus hatte aber wesentlich mehr Gewinn.


Ich nenne das auch nicht Bestechung, sondern Marketing. Das waren alte Ideen, die ich mal verkürzt und in leicht flapsiger Art, hier reinstelle. Haben Sie sich auch schon etwas überlegt? Womit verdienten Sie vor Corona gutes Geld und womit nicht? Und was könnten Sie jetzt steuern, verändern, persönlicher sein und herausstechen?

Schon mal hingesetzt und nicht nur Petitionen gefordert und nach dem Staat gerufen?


Wenn einer Corona überlebt, dann hat er jetzt die Chance, bei Wiedereröffnung, auch sofort aus den Startlöchern zu springen. Und das passiert bald.


Und falls Ideen fehlen, dann sind wir ja auch noch da...



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